Tag 2 – Von Waranen und Tänzerinnen

Warane im Lumphini Park

 

Ich erschrecke mich ein wenig, während sich der lange schuppige Schwanz einer Echse an mir vorbeischlängelt. Eine spitz zulaufende Zunge streckt sich uns entgegen und schon ist das Reptil wieder im Gebüsch verschwunden.    Für einen einfachen Gecko war dieses Tier mit seinen 50cm einfach zu groß.

Das war ein Waran!

Ich bin ein bisschen angeekelt, ängstlich aber auch aufgeregt. Wir sind heute nämlich auf dem Weg zum Lumphini Park, einer Grünanlage mitten in der Innenstadt Bangkoks, in der man den Waranen beim Sonnenbaden zuschauen kann. Die, so steht es im Reiseführer, laufen dort nämlich einfach so öffentlich und frei herum. Und wir haben den ersten schon vor dem Eingangstor des Parkes entdeckt. Das war ja nur ein kleiner aber drinnen soll es welche mit einer Länge von bis zu 3 Metern geben.

Ich halte mich an Julian fest, während wir das Eingangstor passieren. Noch können wir keine weiteren Uhrzeitkreaturen entdecken.  Dafür aber jede Menge Fitnessgeräte. Nach ein paar sportlichen Betätigungen schlendern wir weiter durch den Park. Die Augen immer auf den Boden gerichtet.  Doch es sind keine weiteren Warane in Sicht. Nur noch einen einzigen entdecken wir, der jedoch blitzschnell wieder in die Kanalisation entschwindet. Nach einer weiteren erfolglosen Stunde verlassen wir den Park etwas enttäuscht.

Später sehen wir einen CNN Bericht, der beschreibt, dass die Population der Warane 2016 über 400 Tiere betrug. Da diese sich immer weiter vermehrten, wurden sie im vergangen September von Wildhütern gefangen und in ein nahegelegenes Tierreservat gebracht. Zwar hatte es keinen einzigen Fall gegeben in dem die Tiere einen Menschen angefallen hatten, es war wohl aber immer wieder zu Zusammenstößen mit Joggern und Fahrradfahrern gekommen. Laut des Berichtes befürchten die Anwohner aber, dass sich nun in der Gegend Ratten vermehren könnten, da die Warane diese neben Fischen und Schildkröten häufig verspeist hätten.

Schade für uns, wir hätten sie gerne näher betrachtet. Aber ich bin auch sehr froh, dass es zu keinem Zusammenstoß zwischen mir und einem Waran gekommen ist.

Zu Fuß geht es für uns weiter durch die imposante Siam Square Shopping Mall zum Erawan Shrine.

Der Erwan Shrine

Bei dem Bau eines Hotels in Bangkok kam es zu mehreren Unfällen unter den Bauarbeitern. Als dann auch noch ein Schiff sank, dass Marmor für die Einrichtung des selbigen Hotels transportierte, streikten die Bauarbeiter. Ein Priester wurde hinzugezogen, der den Bau eines Schreines vorschlug.            Und so wurde 1956 der Erawan Shrine erbaut und tatsächlich hörten danach die Unfälle auf. Noch heute kommen viele Menschen täglich zu diesem Schrein.

 

Und während sich die Autos in den kleinen Spiegeln des Schreines wiederspiegeln, kann man Tänzerinnen für einen kleinen Obolus beauftragen, die einen dann während des Gebetes rhythmisch zu einer immer gleichen Musik begleiten. Für die Tänzerinnen muss es ein Knochenjob sein den ganzen Tag bei 40 Grad im Schatten barfuß an einer lauten und staubigen Straßenkreuzung zu tanzen.

Wir beobachten das Ganze einige Minuten und gehen dann weiter in den nahe gelegenen Pantip Plaza (ein Elektronik Markt). Dort wollen wir Zubehör für unsere Aktionkamera kaufen. Leider sind die Preise hier höher als in Deutschland und so fahren wir unverrichteter Dinge zurück nach Chinatown wo wir ein fantastisches Abendessen an einem Straßenstand genießen.

Tag 0 – Abreise: Wir fliegen ja erst kurz vor 3

Hamburg 7 Uhr, geschlafen haben wir eigentlich kaum.

Julian muss nach dem Duschen noch schnell zum Impfen und hat noch einen Arzttermin.
Ganz entspannt, wir fliegen ja erst um 14:50 Uhr.
Achja und die Action-Kamera muss er auch noch von der Post abholen.
Und oh ist er eigentlich für den ganzen Zeitraum krankenversichert?
Sowas kann man ja auch am Flughafen beim Einsteigen in den Flieger klären.
Manche empfinden ja so Last-Minute-Dinge als stressig – Andere sprechen vom Lebenskünstler.

Ich selbst habe auch noch ein paar Dinge auf der Liste: Ebay-Pakete abgeben – Besitz belastet ja bekanntlich, und dann nur noch kurz wischen bevor unser Gast kommt, der für die nächsten zwei Monate unsere Wohnung hüten wird.

Achja und Julians Bachelorgeschenk fertigstellen.

Huups, jetzt ist es doch schon 12:00 Uhr.
Doch zum Flughafen schaffen wir eine Punktlandung und sind pünktlich zwei Stunden vorher da. Heute mal kaum Stress.
Das Gefühl in die Ferne zu fliegen ist jedoch etwas anders als beim ersten Mal.
Als ich das erste Mal alleine nach China gereist bin war ich fürchterlich aufgeregt. Am Flughafen spielten sich herzzerreißende Abschiedsszenen ab. Unter Tränen musste ich Pumps und Bügeleisen aufgrund von Übergepäck zurücklassen. (Der Ein oder Andere erinnert sich vielleicht noch an meinen ersten Artikel: hier der link).
Was ich damals nicht verraten habe: Am ersten Abend in Shanghai traute ich mich nicht mein Hotelzimmer zu verlassen. Aus Angst vor den kommenden Abenteuern und aus Furcht vor der großen weiten Welt.
Julian erging es da kaum anders als mir.

Bei seinem ersten Besuch in Bangkok traute auch er sich, von der drückenden Hitze und den gewaltigen Menschenmassen erschlagen, am ersten Abend kaum vor die Hosteltür.
Man kennt das vielleicht, der erste Schultag war noch total aufregend. Man war voller Vorfreude, konnte nachts kaum schlafen, hatte dieses leichte Kribbeln im Bauch und war gespannt auf die vielen, neuen und interessanten Dinge, die einen erwarten würden. Nach einem Monat war es zwar noch schön zur Schule zu gehen, aber eben nicht mehr ganz so aufregend.
Oder Löffeleier, beim ersten Mal probieren eine Geschmacksexplosion und jetzt ist es einfach immer wieder schön sie zu essen.

Oder als ich mich auf einem Festival das erste Mal auf ein K.I.Z-Konzert verirrte. Völlig verstört blickte ich in eine Masse voll grölender Besoffener während der Sänger auf der Bühne zwischen Militärfiguren seine eigene Geburt nachstellte. Schockierend. (Der Ein oder Andere erinnert sich vielleicht auch an diese Situation).
Beim zweiten Mal hatte ich mich an das Spektakel gewöhnt und konnte, fast fehlerfrei, die nun auch sehr eingängigen Texte mitbrüllen.
So eine Asienreise ist zwar noch lange kein K.I.Z-Konzert, aber auch hier erwarteten mich in der Vergangenheit Abenteuer, wilde Tiere aber auch menschliche Eigenheiten, an die ich mich erstmal gewöhnen musste. Um mich jetzt noch aus der Ruhe zu bringen, bräuchte es so Einiges.
Es ist ein schönes Gefühl so entspannt losreisen zu können und zu wissen, dass es kaum noch Dinge geben könnte, die mich tatsächlich aus der Fassung bringen könnten, aber auch sehr schade, dass ich nie wieder so beeindruckt sein werde, wie beim ersten Mal als ich die Skyline von Pudong sah

Skyline Shanghai Pudong, China

oder, dass ein 52. Stock im Bitexo-Tower in Ho Chi Minh Stadt (Saigon) eben niedriger sein wird, als die 148. Etage auf 555 m im Burj Khalifa in Dubai.

Burj Khalifa, Dubai

Trotzdem kein Grund sich nicht voller Vorfreude in das Flugzeug zu begeben.
Und während Julian noch beim Boarding mit seiner Versicherung diskutiert, freue ich mich schon auf die kommende, gemeinsame Zeit.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Zürich sind wir schwuppdiewupp auch schon in Bangkok.

Bangkok, Thailand

Du planst auch eine lange Reise?

Hier ein paar nützliche Tipps für deinen nächsten Langstreckenflug!

Bangkok

Der Straßenmarkt in China Town (Bangkok – Thailand)

Lotus Wurzeln auf dem Markt

Baby-Bananen auf dem Grill

Kumquats, Limetten, Äpfel, Orangen, Drachenfrüchte und Bananen

Einer von vielen Schmuckverkäufern im chinesischen Viertel von Bangkok